Innerhalb der Aktivitäten des Dialogprojekts „Wi.e.dersprechen“ in der Partnerregion Südosteuropa hat Dialoge und Begegnungen 2025 zwei Aktivitäten mit insgesamt 10.000 € unterstützt.
Das „Camp für Aktive“ ist eine seit Jahren etablierte Initiative des von den Projektpartnerinnen gegründeten Netzwerks „Youth United in Peace“. In diesem Jahr fand es vom 24. bis 28. Juli 2025 in Kladanj nahe Tuzla in Bosnien und Herzegowina mit 50 Teilnehmenden statt. Ursprünglich war Sombor (Serbien) als Veranstaltungsort geplant, aufgrund der politischen Entwicklungen wurde das Camp jedoch verlegt. Ziel ist es, aktive Netzwerkmitglieder zusammenzubringen, den Austausch zwischen verschiedenen Generationen zu fördern und politische Themen zu vertiefen.
„Frieden ist ein Prozess, der unermüdlichen Einsatz, Geduld und Empathie braucht“
Inhaltlich standen 2025 internationale Konflikte im Fokus – insbesondere der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie die Lage in Israel und Palästina. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in die Situation in Gaza und im Westjordanland, aber auch in das Trauma des 7. Oktobers und die Repressionen gegen Friedensaktivist*innen. Diskutiert wurden zudem gesellschaftliche, politische und mediale Perspektiven in Bosnien und Herzegowina. Besonders emotional war der Austausch über den Krieg in Gaza, der häufig in Verbindung mit Srebrenica gebracht wird.
Zum Thema Ukraine konnten die Teilnehmenden mit einer aus der Ukraine nach Kroatien geflüchteten Person sprechen und deren Erfahrungen aus erster Hand hören. Auch regionale Geschichte spielte eine wichtige Rolle: Die Gruppe besuchte das Denkmal für die Opfer des Kapija-Massakers in Tuzla (1995), bei dem 71 Jugendliche getötet wurden. Ergänzend wurde der Film „Kapija ‘95“ gezeigt. Dies führte zu intensiven Gesprächen über die Auswirkungen von Krieg auf junge Menschen sowie über Fragen von Aufarbeitung und Gerechtigkeit.
Darüber hinaus berichteten Teilnehmende aus Serbien über aktuelle Proteste, Repressionen und ihr Engagement für Demokratie. Gemeinsam wurden politische Entwicklungen in Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien verglichen und diskutiert, warum ähnliche Protestbewegungen in anderen Ländern bislang ausbleiben.
Lamija Parić aus Tuzla beschreibt ihre Erfahrung so:
„Dieses Camp war nicht einfach ein Urlaub, sondern ein Raum für ehrliche Gespräche, neue Begegnungen und gemeinsame Reflexionen über Frieden und Verantwortung. Es hat mir gezeigt, wie wichtig respektvoller Austausch und die Bereitschaft sind, andere Perspektiven zu hören.“
Ein Wochenendbesuch nach Srebrenica
„Einer der schönsten Momente war das Gespräch mit älteren Menschen aus Srebrenica“, berichtet Teilnehmerin Šejla Ibrahimović. „Diese Begegnungen haben mir gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen Generationen ist.“
Ende Oktober 2025 besuchten rund 60 Aktive aus Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie Serbien die Stadt Srebrenica. Sie wurden größtenteils von Gastfamilien aufgenommen, ein Teil der Gruppe übernachtete in einer Jugendherberge. Die regelmäßig stattfindenden Wochenendbesuche fördern das Kennenlernen der jeweiligen Partnerstädte und stärken den interkulturellen Austausch – auch über die Elterngenerationen hinweg.
Im Mittelpunkt stand eine interaktive Stadtrallye, bei der die Teilnehmenden Aufgaben zur Geschichte und Gegenwart Srebrenicas lösten. Besonders eindrücklich waren Gespräche mit älteren Bewohnerinnen über deren Alltag, Sorgen und Hoffnungen. Ergänzt wurde das Programm durch einen Ausflug zu den Gruber-Heilquellen sowie ein gemeinsames Abendprogramm.
Wie bei diesen Begegnungen üblich, engagierte sich die Gruppe auch sozial: Es wurden Spenden für ein an Krebs erkranktes Mädchen gesammelt.

